«Arche2.0»
Keramik als künstlerisches Zukunftsarchiv
Die Ausstellung in der Wasserkirche präsentiert sieben keramische Positionen zum Thema Zukunft und Bewahrung. Im Zentrum steht die Frage, was eine zeitgemässe Arche beherbergen sollte.
Ausserdem befindet sich in der Wasserkirche ein hölzerner Schiffsrumpf, in dem Besuchende eigene Objekte aus Ton formen und der Arche 2.0 mit auf ihre Reise geben können. Dies eröffnet einen partizipativen Rahmen, in dem Besuchende selbst Teil der Ausstellung werden.
Ein besonderes Highlight erwartet sie in der Krypta: die Videoinstallation «Ohne Titel mit Ton» der Zürcher Keramikerin Cornelia Trösch.
Künstler:innen:
Christine Aschwanden | Rita De Nigris |
Severine Emery Jaquier | Joy Hänggi | Lorenz Hugentobler | Laure Krayenbühl | Michael Marx
Cornelia Trösch
Christine Aschwanden kombiniert ein gefundenes Pferdepaar mit apokalyptischer Keramiklandschaft und ironischen Slogans von Klimademos. Ihre Arbeit »Mother Nature called and she called you a Bitch« konfrontiert uns mit der Frage, ob der rettende Pfad nicht längst versperrt ist, eine zähe, sarkastische Meditation über kollektives Scheitern.
Rita De Nigris betrachtet Keramik als Speicher der Menschheitsgeschichte. In ihrer Arbeit konserviert sie Bruchstücke wie Reliquien: vakuumiert, mit Gold akzentuiert, arrangiert wie Supermarktware – eine radikale Aufwertung des scheinbar Wertlosen. Ihre Pilgerhaufen erzählen von Liebe zum Material, Zerfall und Neuanfang.
Séverine Emery Jaquier begegnet der Arche mit Skepsis. Ihre Arbeit verweigert sich dem tröstenden Bild eines kollektiven Heilsversprechens. Stattdessen zeigt sie Werke, die aus dem Überlebensinstinkt in einer brüchigen Welt geboren sind: politisch, mehrdeutig, kritisch gegenüber Machtstrukturen, die selektieren, wer gerettet wird und wer nicht.
Joy Hänggi hingegen bringt mit ihrem Werk »shiloh« Hoffnung an Bord. Der Krug als archetypische Form wird zum Symbol für Gemeinschaft, Erinnerung und Fürsorge. Die Oberfläche wird von einer Schulklasse gestaltet: eine Geste der Übergabe an die nächste Generation, vielstimmig, unperfekt, lebendig.
Lorenz Hugentobler erschafft mit Monument des Selbst geisterhafte Skulpturen, die zwischen Figur und Fragment changieren. Seine Arbeit stellt die Arche als inneren Ort zur Diskussion, ein Speicher für Identität, aber auch ein Gefängnis für das Ich. Die Formen wachsen intuitiv, getrieben vom Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Selbstauflösung.
Laure Krayenbühl führt mit ihrer Serie »Cellular« zurück zu den Ursprüngen des Lebens. Ihre keramischen Gefässe und Risograph-Drucke orientieren sich an mikrobiologischen Formen, eine archaische wie futuristische Hommage an das Zelluläre. Nicht das, was auf der Arche mitfährt, sondern das, was im Wasser verloren ging, steht im Zentrum.
Michael Marx bringt mit seiner Serie »Allegorie der Worte« vier Keramikstelen auf die Arche. Jede steht für ein fundamentales Element des menschlichen Zusammenlebens: Liebe, Respekt, Zivilisation und Kunst. Seine Skulpturen verkörpern ideelle Werte in Form und Textur, sie sind Erinnerungen an das, was uns verbindet und trägt, wenn Systeme kollabieren und Sicherheiten bröckeln.
Die Ausstellung ist Teil von RUND UM KERAMIK und findet vom 11. bis 21. September 2025 in der Wasserkirche Zürich statt.
Mit Ausstellungen, Rundgängen, Workshops und Vorträgen feiert das Festival die Keramik als lebendige, kritische, wandelbare Kunstform.
Datum
11.–21.9.2025
Öffnungszeiten
Di–So | 12–17 Uhr
Mo | geschlossen
Vernissage
Do | 11.9.2025
18–21 Uhr
Eröffnungsrede und Ansprache von Prof. Dr. Mareile Flitsch um 19 Uhr
Adresse
Wasserkirche
Limmatquai 31
8001 Zürich
Freier Eintritt
Bild: Joy Hänggi, «Shiloh», 2025